Kunstgewerbemuseum zeigt Ausstellung zum Automobildesign in der Kunsthalle im Lipsiusbau
Dem Phänomen des Automobildesigns widmet sich ab heute eine bisher einmalige Ausstellung des
Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Zusammenarbeit mit der MELKUS
Sportwagen GmbH Dresden. „Automobilbau wurde immer von Karosserieschmieden geprägt, die Traumautos
in Kleinserien bauen. In der DDR war solcher Individualismus nicht vorgesehen. Gerade deshalb ist
der MELKUS RS1000 mehr als jedes andere Auto der Inbegriff für Automobildesign der 60er Jahre. Er
hat die Wegmarken einer ganzen Autogeneration zusammengefasst“, so der Direktor des
Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dr. Peter Plaßmeyer heute aus Anlass
der Eröffnung der Ausstellung: Melkus. Die ideale Linie. Autodesign aus Dresden. in der Kunsthalle
im Lipsiusbau. Wenn 40 Jahre später die wesentlichen Designelemente des RS1000 für den RS2000
wieder aufgegriffen würden, finde dieser Impuls der ausgehenden 60er Jahre eine späte Fortsetzung. „
Mit dieser Ausstellung wollen wir unter anderem der Frage nachgehen, wie Zeichnungen und Entwürfe
die Handschrift des Automobildesigners spiegeln und ob sich diese individuelle Handschrift auch in
Designentwürfen findet, die am Computer entstanden sind “, erklärte Dr. Peter Plaßmeyer.
In Dresden waren seit Mitte der 50er Jahre Formel III Rennwagen konstruiert worden. Erfinder und
Konstrukteur: Heinz Melkus, der berühmteste Rennfahrer der DDR. Als letzter Formel III Rennwagen
wurde 1964 die „Zigarre“ gebaut, die zwöf Jahre lang erfolgreich mit Wartburg- und Lada-Motoren
fuhr. Von ihr wurden 92 Exemplare gebaut. Ende der 60er Jahre wurde mit dem MELKUS RS1000 ein
Sportwagen entwickelt, für den Ford GT 40, Ferrari Dino, Lamborghini Miura und Mercedes 300 SL Pate
gestanden hatten. Der RS1000 war der einzige Sportwagen, der in der DDR produziert wurde. Peter
Melkus, Sohn von Heinz Melkus und heute Technischer Leiter der Melkus Sportwagen GmbH: „ Mein Vater
erfüllte sich mit dem MELKUS RS1000 den Traum eines straßenzugelassenen MELKUS Sportwagens, den man
auch für Rennzwecke einsetzen konnte“. Bis 1979 entstanden 101 Exemplare des legendären
Flügeltürers. Zwischen 2006 und 2008 war eine auf 20 Autos limitierte Neuauflage dieses Klassikers
in Dresden produziert worden.
Auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt zeigte die Melkus Sportwagen GmbH
im vergangenen Jahr 2009 ihren neuen Rennsportwagen, den MELKUS RS2000. Seit 2010 wird der RS2000
in Serie gebaut. Er greift wesentliche Designelemente des RS1000 wieder auf: die markanten
Radhäuser, das geschwungene Heck und die Flügeltüren. „Der RS2000 ist das Auto, von dem ich schon
mit 10 Jahren geträumt habe. Als andere Jungs mit Matchbox-Autos spielten, habe ich angefangen
meine eigenen Traumautos aus Gips zu bauen“, so der Enkel von Heinz Melkus und Geschäftsführer der
Melkus Sportwagen GmbH, Sepp Melkus.
„Diese Ausstellung zum Automobildesign ist der Einstieg in die Diskussion um die
Weiterentwicklung des Kunstgewerbemuseums“, sagte der Generaldirektor der Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden, Prof. Martin Roth, am Rande der Ausstellungseröffnung. „Wir brauchen ein
Forum, das sich auch der zeitgenössischen Produktgestaltung zuwendet. Dazu muss zunächst die Frage
beantwortet werden, wer in Sachsen nach 1989 Entwürfe von Alltagsprodukten, von Mode und
Architektur gesammelt hat. Die Ausstellung soll Inspiration sein und gleichzeitig die Frage nach
der Kompetenz des Kunstgewerbemuseums als Forum für zeitgenössische Produktgestaltung aufwerfen.“
Die Ausstellung in der Kunsthalle im Lipsiusbau ist bis zum 16. Mai 2010 zu sehen. Gezeigt wird
unter anderem die legendäre Melkus „Zigarre“. Neben dem RS1600 – dem letzten Fahrzeug der
limitierten Neuauflage „Heinz Melkus“ von 2008 - wird auch die Entwicklung des neuen RS2000 zu
sehen sein. Gezeigt werden außerdem ein Gipsmodell des RS1000 von Ulli und Peter Melkus aus dem
Jahr 1967 sowie bisher unveröffentlichte Fotos und Zeichnungen aus dem Familienarchiv. Die Entwürfe
zeigen die Auseinandersetzung der Designer mit berühmten Sportwagen der 60er Jahre. Unter den
Zeichnungen befinden sich auch Entwürfe zu einer Coupé-Version des Wartburg 353, die wahrscheinlich
1969 entstanden. Die Ausstellung zeigt darüber hinaus eine Präsentation aus historischen
Filmaufnahmen (Thomas Hundt und Björn Kantereit; jangles nerves/Stuttgart) aus dem
Firmenarchiv.
Quelle: Staatliche Kunstsammlungen Dresden